Auf der Pressekonferenz mit mehr als 100
Teilnehmern, bei der auch Journalisten aus Indien, Vietnam und
Indonesien live zugeschaltet waren, erläuterte Dekkers die Perspektiven
des Unternehmens in den asiatischen Wachstumsländern. Schon heute habe
Asien einen bedeutenden Anteil am Geschäft des Bayer-Konzerns. Vor 20
Jahren lag dieser erst bei ca. 10 Prozent oder umgerechnet gut 2
Milliarden Euro. Vor 10 Jahren betrug der Anteil etwa 15 Prozent, und im
vergangenen Jahr waren es bereits rund 20 Prozent. 2010 belief sich der
Bayer-Umsatz in Asien auf 6,9 Milliarden Euro, davon entfielen 2,9
Milliarden Euro auf Greater China. Für 2011 rechnet der Konzern mit
einem weiteren Wachstum in Asien. „Mit Investitionen in Sachanlagen von
3,4 Milliarden Euro in den vergangenen zehn Jahren in Asien haben wir
eine Basis geschaffen, mit der wir das Marktwachstum in dieser Region
übertreffen können“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Bei seinen Expansionsplänen kann Bayer auf einer
starken Basis aufbauen. „Unsere Landesorganisationen hier sind seit
vielen Jahren lokal verwurzelt – in China, Indien und Japan sind wir
sogar seit mehr als einem Jahrhundert tätig“, betonte Dekkers. „Wir
kennen die Märkte und wissen, dass wir differenzierte Ansätze brauchen,
um in den unterschiedlichen Ländern unser Geschäft weiter auszubauen.“
Asien sei ein bemerkenswerter Kontinent mit einer
besonderen Dynamik, sagte Dekkers weiter. Die Veränderungsprozesse durch
die globalen Megatrends vollzögen sich vor allem in den
Schwellenländern schnell und tiefgreifend. Zu diesen Megatrends gehöre
zum Beispiel die steigende Lebenserwartung der Menschen, die zu einem
erheblichen Mehrbedarf an medizinischer Betreuung führe. „Die Produkte
von Bayer HealthCare helfen, dass die Menschen gesund bleiben, Kranke
geheilt werden und dass die Lebensqualität auch älterer Menschen
entscheidend verbessert wird“, sagte Dekkers.
Ein weiterer Megatrend ist die wachsende
Weltbevölkerung, die in den kommenden 40 Jahren voraussichtlich um zwei
auf dann neun Milliarden Menschen ansteigen wird. Gleichzeitig werden
Agrarflächen zunehmend für die Energiegewinnung genutzt. „Unsere
Forscher bei Bayer CropScience tragen dazu bei, dass die kaum
erweiterbaren Anbauflächen mehr Ertrag bringen und die Ernten nicht
verloren gehen“, so Dekkers.
Auch der Klimawandel sei ein Megatrend, den die
Menschheit stoppen und umkehren müsse. Asien verbrauche mehr Energie als
Nordamerika und Europa zusammen. Dekkers: „Die Produkte von Bayer
MaterialScience helfen nicht nur, durch hochwertige Wärmedämmung in
Gebäuden oder leichtere Materialien in Fahrzeugen Energie zu sparen,
sondern sie tragen auch zur Leistungsfähigkeit etwa von Windrotoren bei.
Und wir achten auch bei der Herstellung unserer Produkte auf
energiesparende Verfahren.“
Weitere Investitionen in Produktion, Vertrieb, Forschung und Personal
Zu der geplanten Umsatzsteigerung bis 2015 sollen
alle Länder in Asien beitragen. Neben China gilt das insbesondere auch
für Indien, wo die Erlöse von gut 0,5 Milliarden Euro im vergangenen
Jahr auf ca. 1 Milliarde Euro steigen sollen. In Japan ist ein Anstieg
von knapp 2 Milliarden auf rund 2,4 Milliarden Euro geplant. Um die
gesteckten Ziele zu erreichen, will Bayer die Verfügbarkeit seiner
Produkte in Asien verbessern. „Wir sind bereits mit großen
Produktionsanlagen hier – und wir wollen auch in Zukunft weiter
expandieren“, sagte Dekkers. Zudem werde das Unternehmen sein
Vertriebsnetz weiter ausbauen und bis in die Subzentren und den
ländlichen Raum hinein verbreitern.
Darüber hinaus will Bayer den Wandel Asiens zu einem
Innovationsschwerpunkt in der globalisierten Welt aktiv begleiten.
Dabei setzt das Unternehmen auf Kooperationen mit den führenden
Institutionen und Kompetenzzentren sowie auf seine eigenen
Entwicklungen. „Wir wollen auch vor Ort weiter in Forschung und
Entwicklung investieren und so unser Know-how in die hiesige Forschungs-
und Entwicklungslandschaft einbringen. Dabei berücksichtigen wir die
speziellen Bedürfnisse Asiens“, sagte Dekkers. Das betreffe etwa
Krankheiten, die dort weiter verbreitet seien als anderswo – wie etwa
Leberkrebs. Auch wolle das Unternehmen den Zugang zu seinen neuen
Medikamenten in Asien beschleunigen, indem die Patienten dort bereits in
die frühen Phasen der globalen Entwicklungsprogramme integriert werden.
Zudem sollten innovative Medikamente zeitgleich in Asien wie in Europa
und den USA zur Zulassung angemeldet werden.
Bayer CropScience beschäftige sich mit
landwirtschaftlichen Kulturen, die in Asien besonders wichtig seien,
führte Dekkers aus. So stünden bei Forschung und Entwicklung des
Teilkonzerns etwa Raps, Reis, Baumwolle, Soja, Weizen oder Gemüse im
Fokus. Bayer MaterialScience stelle seinen industriellen Kunden neben
lokal hergestellten Polymer-Produkten auch entsprechende
Anwendungsberatung und -entwicklung in seinen Systemhäusern zur
Verfügung.
Um seine Wachstumsziele in Asien zu erreichen, wolle
Bayer auch die entsprechenden personellen Kapazitäten bereitstellen,
sagte Dekkers weiter. Die Zahl der Beschäftigten in der Region sei
allein in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 8 Prozent gestiegen.
„Ein dynamisches Belegschaftswachstum erwarten wir auch für die
kommenden Jahre.“ So könnte die Zahl der Mitarbeiter in Asien von 23.700
im Jahr 2010 auf über 30.000 bis zum Jahr 2015 zulegen. Für diesen
Zeitraum seien darüber hinaus Sachanlageinvestitionen in Höhe von 1,8
Milliarden Euro geplant.
Dynamisches Wachstum mit allen Teilkonzernen in China angestrebt
Einen Schwerpunkt seiner Aktivitäten legt Bayer auf
Greater China, den mittlerweile größten Markt für das Unternehmen in
Asien. In den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres erwirtschaftete
Bayer hier mit rund 11.000 Beschäftigten einen Umsatz von 2,2 Milliarden
Euro (19,8 Milliarden Renminbi). Das entspricht 8 Prozent des
Konzernumsatzes. Davon entfielen 59 Prozent auf MaterialScience, 37
Prozent auf HealthCare und rund 4 Prozent auf CropScience. „Mit allen
Teilkonzernen wollen wir in China weiter dynamisch wachsen“, sagte
Dekkers. Insgesamt plane das Unternehmen den Umsatz in Greater China bis
2015 auf rund 6 Milliarden Euro zu steigern – davon entfallen etwa 3
Milliarden Euro auf MaterialScience, 2,5 Milliarden Euro auf HealthCare
und gut 300 Millionen Euro auf CropScience.
Als bemerkenswert bezeichnete Dekkers die
kontinuierlich zweistelligen Wachstumsraten des Pharma-Marktes in China.
Bayer gehöre zu den fünf größten HealthCare-Unternehmen im Land. Im
vergangenen Jahr betrug der lokale Umsatz von Bayer HealthCare 926
Millionen Euro (8,2 Milliarden Renminbi), davon entfielen 80 Prozent auf
die rezeptpflichtigen Arzneimittel der Division Pharma und 20 Prozent
auf rezeptfreie Medikamente, Medizingeräte und Tierarzneimittel.
CropScience ist mit einem Marktanteil von knapp 5
Prozent und einem Umsatz von 130 Millionen Euro (1,2 Milliarden
Renminbi) der drittgrößte Anbieter im chinesischen Pflanzenschutzmarkt.
„Wir wollen der bevorzugte Anbieter bei den wichtigsten Kulturen in
China sein – insbesondere bei Reis und Gemüse“, sagte Dekkers. Dabei
setze das Unternehmen auf umfassende Lösungspakete mit innovativen
Produkten, mit denen die Landwirte wirkungsvoll unterstützt würden.
Für das MaterialScience-Geschäft ist China ein Markt
von erheblicher Bedeutung. Das Land ist unter anderem der weltweit
größte Markt für die Bauwirtschaft, für Automobile und
Schienenfahrzeuge, für die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die
Schuh-Produktion. Diese Bereiche zählen zu den wichtigsten
Abnehmerbranchen des Bayer-Teilkonzerns. Im vergangenen Jahr erzielte
Bayer MaterialScience in Greater China einen Umsatz von 1,8 Milliarden
Euro (16,3 Milliarden Renminbi).
Neue TDI-Anlage offiziell eingeweiht
Dekkers weihte am Mittwoch im Beisein von
zahlreichen Gästen sowie hochrangigen Vertretern aus Politik und
Verwaltung eine neue Produktionsanlage am integrierten Bayer-Standort
Shanghai offiziell ein. Die Anlage soll 250.000 Jahrestonnen TDI
produzieren. Dabei kommt eine neue Prozesstechnologie zum Einsatz, die
den Lösungsmitteleinsatz um rund 80 Prozent im Vergleich zu
herkömmlichen Anlagen gleicher Größe reduziert. Hinzu kommt eine Senkung
des Energieverbrauchs um bis zu 60 Prozent. Ferner ermöglicht der
Einsatz dieser Technologie auch eine deutliche Reduzierung der
Betriebskosten sowie eine Verminderung der Kohlendioxid-Emissionen um
rund 60.000 Tonnen pro Jahr. Zudem können die Investitionskosten für
Großanlagen dieser Art dank der neuen Technologie um rund 20 Prozent
verringert werden.
Zweite Investitionsphase am Produktionsstandort Shanghai
„Seit zehn Jahren sind wir jetzt im Chemical
Industrial Park Shanghai tätig“, sagte der Bayer-Chef. MaterialScience
habe hier Anlagen für alle wichtigen Produkte angesiedelt und dafür 2,1
Milliarden Euro investiert. Auf diese erste Investitionsphase soll nun
eine zweite folgen. Bayer plant eine weitere Milliarde Euro an
Investitionen für den Ausbau der MDI-Kapazität auf 1 Million
Jahrestonnen, den Ausbau der Polycarbonat-Kapazität auf 500.000
Jahrestonnen und eine neue Lackrohstoff-Linie mit zusätzlich 50.000
Jahrestonnen Kapazität. „Das sind erhebliche Investitionen mit
deutlichen Kapazitätserweiterungen. Selbstverständlich kommt in unseren
Anlagen die modernste Technik zum Einsatz“, betonte Dekkers.
Quelle: Bayer
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